Forstfachliches Gutachten
Überschreitet die im Immissionsgutachten für eine geplante Anlage prognostizierte Stickstoffzusatzbelastung den für potenziell stickstoffempfindliche Ökosysteme (z.B. Wälder) geltenden tolerablen Depositionswert, so ist in der Regel der Einzelfall zu prüfen. Eine solche Einzelfallprüfung erfolgt zumeist in Form eines forstfachlichen Gutachtens. Hierbei soll anhand ausgewählter waldökologischer Zustandsmerkmale beurteilt werden, ob das Überschreiten des tolerablen Depositionswertes tatsächlich zu erheblichen Nachteilen durch Schädigung des betroffenen Waldbestandes durch Stickstoffdeposition führen kann.

In einem ersten Schritt werden auf einem Begang des zu beurteilenden Waldbestandes allgemeine Bestandesmerkmale wie Baumart, Mischung, Altersstufe und Kronenschlussgrad sowie der Zustand von Kronen und Schäften, ausgewählte Bodeneigenschaften und die Waldbodenvegetation erfasst.

Unter Einbezug von kartierten Flächendaten, mündlichen Informationen und Fachliteratur werden in einem zweiten Schritt die im Rahmen des Waldbegangs gewonnenen Zustandsmerkmale analysiert, interpretiert und hinsichtlich einer etwaigen Erheblichkeit der Beeinträchtigungen durch die prognostizierten anlagenbezogenen Stickstoffeinträge (Zusatzbelastung) diskutiert.

Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Beurteilung, ob für den betroffenen Waldbestand oder Teilen davon erhebliche Nachteile durch Schädigung durch Stickstoffdeposition erwartet werden können oder ob diese nicht zu besorgen sind. Sofern entsprechende Optionen bestehen, werden darüber hinaus für erstgenannten Fall Wege skizziert, unter welchen Voraussetzungen (Waldausgleich, Waldumwandlung) die Genehmigungsfähigkeit eines Bauvorhabens dennoch erlangt werden kann.